Neue Presse Coburg erschienen am 18.05.2009

Was bleibt, ist nur noch die Erinnerung

Eyrichshof - Die Balthasar-Neumann-Kaserne mussten sie räumen, als der Bundeswehrstandort Ebern dem "politischen und militärischen Rotstift" zum Opfer fiel und die Kaserne am 30. September 2004 geschlossen wurde.

Die Erinnerung an "ihre Kaserne, ihr Panzeraufklärungsbataillon 12", wollten sie wach halten. Die "Kameradschaft Panzeraufklärungsbataillon 12 e. V." weckte am Samstag mit einem Museumsfest in der ehemaligen Schule in Eyrichshof Erinnerungen an vergangene vier Jahrzehnte. Etwa in "halber Kompaniestärke" waren die Besucher gekommen, die der Vorsitzende der "Kameradschaft Panzeraufklärungsbataillon 12", Joachim Aschmoneit, im Festzelt willkommen heißen konnte. Sein besonderer Gruß galt einer Abordnung von Besuchern, die einst am Bundeswehrstandort in Wildflecken Dienst verrichtet haben, und auch ehemaligen Soldaten der Panzergrenadiere. "Sinn unseres heutigen Museumsfestes soll sein, dass wir uns wieder einmal treffen und dass der Bevölkerung unser Traditionsmuseum näher gebracht wird", sagte Aschmoneit.

Die Bundeswehr sei über 40 Jahre in Ebern stationiert gewesen und es habe gute und schlechte Zeiten gegeben. Hinsichtlich des ehemaligen Bundeswehrstandorts sagte der Vorsitzende, dass die Bundeswehr für Ebern ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor war und die Stadt von der Bundeswehr durch Arbeitsplätze und wirtschaftliche Kaufkraft profitiert habe. Schmerzlich sei es deshalb gewesen, als der "wunderschöne Standort Ebern" dem Rotstift zum Opfer gefallen ist. "Wir, als ehemalige Soldaten, die in Ebern Dienst verrichteten und Wurzeln schlugen, können nur noch eines tun, die Erinnerung an den ehemaligen Bundeswehr- standort mit seinen einst zwei Bataillonen aufrechterhalten. Dazu kann auch unser heutiges Fest beitragen", sagte Aschmoneit und freute sich, dass doch einige ehemalige Soldaten gekommen waren. "Wir haben heute bestimmt einen guten Erfahrungsaustausch und können in Erinnerung schwelgen", sagte er.

Es schloss sich eine Führung durch die Traditionsräume in der ehemaligen Schule von Eyrichshof an, wobei Harry Bohl als Fachkundiger Rede und Antwort stand. Eine Besonderheit hatte Vorsitzender Joachim Aschmoneit angekündigt: "Wir haben eine Film zusammengestellt, auf dem zu sehen ist, wie die Bundeswehr, es war das Panzergrenadierbataillon, in Ebern einzog." Aber auch der Schlussappell, als die Kaserne geschlossen wurde, war zu sehen. Wehmut war teilweise in den Gesichtern ehemaliger Soldaten zu sehen. "Einen so schönen und modernen Standort zu schließen ist mit normalen Verstand nicht nachzuvollziehen", war bei Gesprächen zu hören.

Beim Rundgang durch die Räume wurden bei vielen Ehemaligen, ob Offizier, Feldwebel- oder Mannschaftsdienstgrad, Erinnerungen wach. Auf einer Vielzahl von Fotos fand sich der eine oder andere wieder und gute Gespräche wurden geführt.

Marschmusik wurde vor Beginn der Begrüßung durch Vorsitzenden Joachim Aschmoneit gespielt, der Zapfenstreich vom Schlussappell aus dem Jahr 2004 klang hingegen schon etwas melancholisch. Hw

 

 

Neue Presse Ressort Hassberge am 13.05.2009

Kameradschaft Panzeraufklärungsbataillon 12 | Am Samstag, 16. Mai, findet ein Museumsfest statt - Viele Besucher erwünscht

Erinnerung an prägende Zeit wach halten.

Sie hoffen auf viele Besucher des Museumsfestes: Harry Bohl (links) und Joachim Aschmoneit. Zwischen ihnen eine Uniform des ehemaligen Panzeraufklärungsbataillons 12, die vielen Ebernern

noch gut bekannt sein dürfte.

Eyrichshof - 42 Jahre lang, von 1962 bis 2004, war Ebern Garnisonsstadt. Am 30. September 2004 legte der damalige Kommandeur des Panzeraufklärungsbataillons 12, Oberstleutnant Stefan Klos, die Schalter um. Die Lichter erloschen, die Balthasar-Neumann-Kaserne gehörte ab diesem Zeitpunkt der Vergangenheit an. Um die Erinnerung an die immerhin über vier Jahrzehnte Bundeswehr in Ebern, eine für die Stadt in hohem Maße prägende Zeit, aufrecht zu erhalten, wurde das Garnisonsmuseum in der ehemaligen Schule in Eyrichshof errichtet. Vor etwa fünf Jahren öffnete es seine Pforten und bietet den Kameradschaften der beiden ehemaligen Eberner Bataillone, Panzergrenadierbataillon 103 und Panzeraufklärungsbataillons 12, die Möglichkeit der Traditionspflege.

 

Allerdings, das Interesse der Bevölkerung am Garnisonsmuseum hält sich in Grenzen, wie der Vorsitzende der Kameradschaft Panzeraufklärungsbataillon 12 e. V., Joachim Aschmoneit, und der Museumsbeauftragte der Kameradschaft, Harry Bohl, bei einem Besuch der NP-Redaktion im Museum feststellten. Das soll sich ändern. Deshalb lädt die Kameradschaft am Samstag, 16. Mai, ab 14.00 Uhr, die Bevölkerung zu einem Museumsfest ein. Führungen werden angeboten und in einem Zelt gibt es Musik und fränkische Köstlichkeiten.

 

"Es ist an der Zeit, dass wir das Garnisonsmuseum wieder einmal der Öffentlichkeit vorstellen. Viele wissen doch überhaupt nicht, dass dieses Museum existiert", sagte Joachim Aschmoneit. Vor fünf Jahren, bei der Eröffnung im Juli 2004, sei das Interesse anfänglich sehr groß gewesen, "da waren die Erinnerungen an die Bundeswehr in Ebern noch ziemlich frisch!".

Dann, so Harry Bohl, habe es eine gewisse Zeit einen Stillstand durch die Renovierungsarbeiten gegeben - und dann wäre das Interesse immer mehr abgeflacht. "Wie alle Museen, könnte auch unser Garnisons- museum besser frequentiert sein", meinte Aschmoneit.

 

Seitens der Kommunalpolitiker habe lediglich die SPD-Stadtratsfraktion dem Museum einen Besuch abgestattet. Und auch seitens der Eberner Schulen müsse man bisher "Fehlanzeige" melden.

Aschmoneit und Bohl bedauern das und versichern, dass sie jederzeit nach Absprache für Führungen zur Verfügung stünden, damit die Erinnerung an die Zeit, als Ebern Garnisonsstadt war, lebendig bleibe. Das kleine, aber feine Museum bietet dazu eine hervorragende Möglichkeit, zumal die 156 Mitglieder der Kameradschaft Panzeraufklärungsbataillon 12 e. V. die Traditionspflege der Kameradschaft Reiterregiment 10 aus Bamberg übernommen haben. Daran erinnern alte Ulanenuniformen, die dem Museum zur Verfügung gestellt wurden.

 

Aber auch die Zeit der beiden Eberner Bundeswehrbataillone wird in sehr anschaulicher Weise durch Uniformen, Bilder, Aufzeichnungen, Berichte und u. a. auch durch ein Video vom Abschlussappell des Panzeraufklärungsbataillons 12 im Jahr 2004 - es wird beim Museumsfest gezeigt - dargestellt. Ebern und die Bundeswehr, das war über vier Jahrzehnte hinweg untrennbar. Die Soldaten hatten hier ihre Wohnungen, bauten Häuser, gaben in vielen Vereinen wertvolle Impulse und prägten mit das gesellschaftliche und kommunalpolitische Leben. Als Altbundeskanzler Helmut Schmidt zum Verteidigungsminister ernannt wurde, stattete er seinen ersten Truppenbesuch der Balthasar-Neumann-Kaserne ab. Internationale militärische Wettbewerbe fanden hier statt, hohe Militärs aus den verschiedensten Staaten machten am Standort Ebern Station.

 

Und vergessen sei auch nicht, dass die Balthasar-Neumann-Kaserne im Rahmen des Projektes "Kaserne 2000" anerkannt zu den modernsten Kasernen der Bundeswehr gehörte. Genutzt hat das nichts, der Standort wurde geschlossen. Das alles ist Vergangenheit, "aber das darf doch nicht vergessen werden", meinten Joachim Aschmoneit und Harry Bohl übereinstimmend. Vor allem deshalb soll das Museumsfest am Samstag die Bevölkerung anlocken, um sie neben gemütlicher Unterhaltung in eine Zeitreise zu führen, an der viele von ihnen selbst noch teilgenommen hatten.

Informationen zu Führungen durch das Garnisonsmuseum erteilen Joachim Aschmoneit (Telefon 09531/8302) und Harry Bohl (Telefon 09531/8327).

 

hw Neue Presse – 06.03.2009

Im Dienst für die Sicherheit der Bevölkerung

Ebern – In Afghanistan herrscht „tiefster Frieden.“ Eine Aussage, die Oberstleutnant Ruprecht von Butler, Kommandeur des Aufklärungsbataillon 13 in Gotha, bei einem Vortrag am Mittwochabend im Gasthof „Post“ in Ebern machte und das er auch tatsächlich so verstanden wissen wollte. Der Offizier, als junger Soldat verrichtete er in Ebern bei der Bundeswehr Dienst, sprach bei einer Versammlung der Kameradschaft des ehemals in Ebern stationierten Panzeraufklärungsbataillons 12.

 

                                                                                      

 

„In Afghanistan herrscht tiefster Frieden!“ Diese Aussage mag zunächst aufschrecken. Sieht man sie jedoch vor dem Hintergrund, dass in dem Land am Hindukusch im Bürgerkrieg jährlich 100 00 bis 150 000 Menschen starben, im Jahr 2008 im Krieg aber „nur“ 7000 Menschen ums Leben kamen, so wird die Aussage des Bataillonskommandeurs verständlich. „Sie können sich bei diesen Zahlen wohl selbst vorstellen, dass die Afghanen empfinden, dass sie in Frieden leben.“ In Afghanistan leben etwa 30 Millionen Menschen, sagte von Butler. 80 Prozent seien den ausländischen Soldaten gegenüber positiv eingestellt, zehn Prozent würden sich neutral und zehn Prozent äußerst radikal gegenüber den Soldaten verhalten. „In diesem Land gibt es etwa 10 000 potenzielle Attentäter“, so der Oberstleutnant. Er fuhr fort: „Soll es zugelassen werden, dass diese Zahl ein Volk von knapp 30 Millionen Menschen unterdrückt?“ Kritisch merkte er an, dass leider viel zu oft die Tatsachen in Medien nicht richtig wiedergegeben werden. „Das fühlt man besonders, wenn

man in diesem Land gewesen ist und es kennt“, sagte er.

 

Der Kommandeur aus Gotha wird noch im März mit etwa 400 Soldaten seines Bataillons nach Afghanistan verlegen und dort bis November 2009 im Auslandseinsatz mit seinen Männern die ihm übertragene und nicht ungefährliche Mission erfüllen. „Ich bin mir sicher, dass wir im Einsatz alles im Griff haben. Es muss jeder mit, den wir zur Verfügung haben.“ Unsere Soldaten sind absolut Klasse und es muss uns deshalb um Deutschland nicht bange sein“, sagte er. Seine Soldaten seien gut ausgebildet, sodass er zuversichtlich mit ihnen in den Einsatz gehe. Sorgen bereitet ihm, wie der Dienst in seinem Bataillon in Gotha vernünftig aufrecht erhalten werden kann. Hier sei die Bundeswehr auf die Unterstützung von Reservisten angewiesen. „Ohne die hätten wir keine Chance.“

 

Ruprecht von Butler war bereits in den Jahren 2001/2002 in Afghanistan. Dieser Auslandseinsatz scheint den Kommandeur in gewissem Sinn bei seiner Einstellung für den bevorstehenden Auftrag geprägt zu haben. „Es war mir sehr wichtig, dass ich zusammen mit meinen Soldaten diesen Auftrag ausführe.“ Von Butler ging auch auf einige Anschläge ein, die er bei seinem ersten Afghanistaneinsatz erleben musste. Es war dem erfahrenen Soldaten anzumerken, dass ihn manches und vor allem Vorfälle bei denen er als Vorgesetzter mit involviert war, nicht unberührt ließen. Seine Ausführungen verdeutlichte er mit entsprechenden Fotos, sodass sich die Zuhörer plastisch vorstellen konnten, welche Gefahren und welche Folgen Anschläge von Attentätern haben. „Unsere 3700 Bundeswehrsoldaten, die in Afghanistan sind, leisten hervorragenden Dienst für die Sicherheit des afghanischen Volkes und haben unser aller Anerkennung verdient“, so Ruprecht von Butler.

 

Der Oberstleutnant zeigte auch seinen persönlichen Werdegang auf und stellte den Bundeswehrstandort Gotha vor. „Gotha ist bei Soldaten das beliebteste Aufklärungsbataillon, weil es zentral liegt und die Wege der Soldaten zu ihren Heimatorten überschaubar sind.“ Seit 1990 seien in den Standort 75 Millionen Euro investiert worden und es würden weitere große Investitionen anstehen.

„Unser Bataillon ist sehr einsatzerfahren und seit 1996 alle zwei Jahre im Auslandseinsatz.“ Der Kommandeur erläuterte die Aufgaben seines Bataillons und den Wandel von einemPanzeraufklärungsbataillon in ein Aufklärungsbataillon. „Wir sind bodengebundene Spähaufklärer und keine Kampftruppe“, sagte er. Er zeigte die vielen technischen Möglichkeiten auf, die ihm und seinen Soldaten zur Erfüllung ihres Auftrages zur Verfügung stehen.

„Unsere heutigen Soldaten kommen aus der Computerwelt und sind auch deshalb für Technik offen.“ Allerdings, so von Butler, machen es hoch technisierte Gerätschaften und Einsatzmittel erforderlich, dass Soldaten länger verpflichtet werden müssen. „Mit normalen Wehrpflichtigen, die ich für wichtig halte, ist diese Aufgabe in kurzer Zeit nicht zu bewältigen“, sagte er. Die Bedienung der militärischen Einsatzmittel erfordere Spezialisten, die gebraucht und gefordert werden und auch Liebe zum Soldatenberuf mitbringen müssen.

 

Joachim Aschmoneit, Vorsitzender der Kameradschaft Panzeraufklärungsbataillon 12, hatte eingangs seine Freude zum Ausdruck gebracht, dass Oberstleutnant von Butler so kurz vor seinem Auslandseinsatz der Einladung gefolgt ist.

Mit einem Präsent dankte er dem Kommandeur aus Gotha für seien aufschlussreichen und informativen Vortrag. „Ich danke ihnen herzlich, wünsche ihnen für den bevorstehenden Einsatz in Afghanistan alles Gute und kommen sie wieder gesund zurück“, sagte Aschmoneit.

 

 

Presseartikel „Neue Presse“ vom 24.07.2006

Ebern – Die Kasernetore in Ebern haben sich im letzten Jahr für immer geschlossen. Die Bundeswehr wurde abgezogen. Die Kameradschaft des Panzeraufklärungsbataillons 12 hoffte bei ihrer Jahresversammlung am Samstagnachmittag im Gasthaus „Post“ in Ebern, dass die Tradition der „12-er“ durch die Kameradschaft noch lange aufrecht gehalten wird. Neu wurde der bei dieser Versammlung, zu der 22 Mitglieder gekommen waren, der Vorstand der Kameradschaft gewählt.

 

Vorsitzender Joachim Aschmoneit hieß die Mitglieder willkommen, übermittelte Grüße des letzten Bataillonskommandeurs in Ebern, Oberstleutnant Stefan Klos und hieß besonders den von am weitesten angereisten Kameraden, der aus St. Augustin kam, willkommen. Der Vorsitzende bat um eine Gedenkminute für verstorbene Kameradschaftsmitglieder und verlas deren Namen. Joachim Aschmoneit gab sodann den Tätigkeitsbericht. Hierbei sagte er, dass die Traditionsgegenstände der Dragoner Regimenter 23 und 24, die versehentlich nach Torgau gekommen waren, sich nun wieder in den Traditionsräumen der Kameradschaft befinden. Teilgenommen wurde am 10. September 2005 am Husarenbiwak beim PzAufklBtl 12 in Gotha. Am Volkstrauertag wurde im September 2005 am Ehrenhain in Ebern ein Kranz niedergelegt, ebenso in Torgau. Kontakte wurden mit einer Abordnung des Grenadierbataillons aus Mellrichstadt geknüpft, deren Einheit in diesem Jahr aufgelöst wird. „Die Kameraden wollten sich bei uns informieren, wie Traditionspflege geschehen kann“, sagte Aschmoneit. In Harry Bohl hätten sie einen guten Berater gehabt. Der Vorsitzende erinnerte an die Weihnachtsfeier, an der Teilnahme beim Jahresempfang der PzAufklBtl.13 in Gotha und an die Rückkehrfeier der Luftlandeaufklärungskompanie 260 in Freyung, die vom Einsatz aus Afghanistan zurückkam. Besonders stellte Aschmoneit die Familienfahrt nach Wien und in das Burgenland heraus. „Das war eine sehr schöne Veranstaltung zum gegenseitigen Gedankenaustausch und besseren kennen lernen “, sagte er.

 

Kritisch ging der Vorsitzende auf die nicht vorhandene Bereitschaft von Mitgliedern ein, sich aktiv in die Vereins- bzw. Kameradschaftsarbeit mit einzubringen. Hier würde er sich bessere Unterstützung wünschen und mehr Engagement erwarten. „Ich hatte eigentlich vor nicht mehr für den Vorstand zu kandidieren, aber die Aussage von Winfried Oppawsky, man könne doch die Kameradschaft nicht einfach vor die Hunde gehen lassen, hat mich zum Weitermachen bewegt“, sagte Aschmoneit. Mit ihm hofft er einen Nachfolger für den Vorsitzenden zu finden.  Lobenswert sei, dass sich Peter Hoffmann und Peter Gottwald bereit erklärt haben, die Internetseite der Kameradschaft zu pflegen. Die Adresse lautet: www.12er-Aufklaerer.de. In diesem Zusammenhang sagte der Vorsitzende, dass er die Hoffnung habe, nicht nur eine „Internetkameradschaft“ zu werden, sondern sich auch regelmäßig zu treffen. „Ich beabsichtige, alle zwei bis drei Monate eine Vorstandssitzung durchzuführen und auch unseren Stammtisch am Leben zu erhalten“, sagte er. Selbstverständlich werde man auch alle aus der Kameradschaft resultierenden Verpflichtungen wahrnehmen und den Kontakt zum militärischen Ansprechpartner, dem PzAufklBtl. 13 in Gotha halten.

 

„Bedauerlich war die geringe Resonanz bei der Einweihungsfeier für unser Traditionsmuseum“, sagte Aschmoneit. In diesem Zusammenhang zollte er Harry Bohl „dickes Lob“. „Er hat bestimmt 95 Prozent der Arbeit die mit dem Museum angefallen ist, selbst erledigt“, lobte der Vorsitzende. Bohl werde sich auch weiterhin um das Museum, zu dem er die Versammlungsmitglieder aufforderte zu besuchen, kümmern.

 

Den Kassenbericht erstattete Horst Dietrich. „Erstmals, seit es unsere Kameradschaft gibt, übersteigen die Ausgaben die Einnahmen“, sagte er. Das sei auf Betreuungsmaßnahmen und Ausgaben für das Museum zurück zu führen. Nach den Worten des Kassiers gehören der Kameradschaft derzeit 165 Mitglieder an. Thomas Blum, der zusammen mit Lothar Dihn die Kasse geprüft hatte, bestätigte dem Kassierer gute Arbeit. Der Vorstand konnte insgesamt entlastet werden.

 

102 Mitglieder hätten zu einer Ehrung für zehnjährige Mitgliedschaft angestanden. Folgende waren anwesend und wurden geehrt: Joachim Aschmoneit, Thomas Blum, Harry Bohl, Detlef Dereser, Horst Dietrich, Adolf Freundorfer, Dietmar Heinert, Georg Kraus, Bernd Prill, Franz Vogt, Winfried Oppawsky, Joachim Salb und Günter Stegner.

 

Die Neuwahl, die von Harry Bohl unter Mithilfe von Bernd Prill und Franz Vogt geleitet wurde, brachte folgendes Ergebnis: 1.Vorsitzender Joachim Aschmoneit, 2.Vorsitzender Winfried Oppawsky, Kassierer Horst Dietrich, Schriftführerin Renate Schüllner (neu). Beisitzer wurden  Bernd Prill, Peter Hoffmann, Peter Gottwald, Harry Bohl (auch Museumswart) und Karl Bortenlänger. Zu Kassenprüfern wurden Thomas Blum und Lothar Dihn bestimmt.

 

Nach einer kurzen Aussprache, bei der nochmals darauf hingewiesen wurde trotz Internet die persönliche Kommunikation nicht zu kurz kommen zu lassen und das Bedauern, dass der militärische Ansprechpartner vor Ort fehlt, schloss der Vorsitzende die Versammlung. hw

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld: Diese Vorstandschaft der Kameradschaft Panzeraufklärungsbataillon 12, wird in den 
kommenden zwei Jahren dessen Geschicke leiten. 
Das Foto zeigt von links: 
Bernd Prill, Peter Hoffmann, Harry Bohl (Beisitzer), Kassierer Horst Dietrich, 
Schriftführerin Renate Schüllner, 2.Vorsitzenden Winfried Oppawsky, 
1.Vorsitzenden Joachim Aschmoneit  und Peter Gottwald (Beisitzer). 
Foto: Helmut Will
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


BUNDESWEHR IN EBERN

Bataillonskommandeur und Bürgermeister enthüllten drei Gedenksteine

 

Drei Gedenksteine, die an die über 40-jährige Geschichte der Bundeswehr in Ebern erinnern, wurden am Montagnachmittag in der Walk-Strasser-Anlage in Ebern von Bataillonskommandeur Stefan Klos (links) und Bürgermeister Robert Herrmann (rechts) enthüllt. - FOTO: HELMUT WILL

"Drei Meilensteine" auf dem Weg zur endgültigen Auflösung des Bundeswehrstandortes Ebern im September diesen Jahres wurden am Montagnachmittag in Ebern in der Walk-Strasser-Anlage enthüllt. Zum "Ehrenhain" der Garnisonsstadt Ebern wurde der Platz in der Anlage hinter dem Kujath-Haus, indem drei Gedenksteine enthüllt wurden, die an die 42-jährige Geschichte der Bundeswehr in Ebern erinnern sollen. Diese wird zum Bedauern aller für Ebern bald Vergangenheit sein.

EBERN - Oberstleutnant Stefan Klos, Kommandeur des Panzeraufklärungsbataillons 12, sagte, dass man sich mit "großen Schritten" den letzten Tagen der Bundeswehr in Ebern nähere. Tag für Tag werde es schwerer, desto näher der letzte Tag rücke. "Meine Soldaten wissen, was ich damit meine."

Der Kommandeur bekräftigte erneut, dass sich die Soldaten in ihrer 42-jährigen Geschichte in Ebern gut aufgehoben fühlten. Dafür gelte der Stadt Ebern mit Bürgermeister Robert Herrmann der besondere Dank der Truppe. Dank sagte Oberstleutnant Klos auch dafür, dass drei Gedenksteine im Ehrenhain der Walk-Strasser-Anlage einen würdigen Platz gefunden haben. "Damit wird diese Stelle ein Ort des Erinnerns und Gedenkens unserer Geschichte hier im unterfränkischen Ebern." Mit Gedenksteinen des Infanterie- und Reiterregiments 95, des Panzergrenadierbataillons 103 und des Panzeraufklärungsbataillons 12 werde die Erinnerung an die Bundeswehr in Ebern, an die ehemaligen Soldaten und an die im Dienst und im Krieg verstorbenen Soldaten wach bleiben, sagte Klos.

Negative Entwicklung

Bürgermeister Robert Herrmann bedauerte die für die Bundeswehr Ebern und für die Stadt Ebern negative Entwicklung. "Wir müssen jetzt abschließen, was der ehemalige Bürgermeister von Ebern, Hans Merkl, mit viel Engagement vor 42 Jahren geschafft hat, nämlich die Bundeswehr nach Ebern zu bringen", sagte Herrmann. Selbst in der Schlussphase der Standortauflösung finde noch eine hervorragende Zusammenarbeit zwischen Stadt, Bundeswehr und Standortverwaltung statt. "Ich meine, dass wir zusammen noch das Bestmögliche hinsichtlich der weiteren Nutzung des Bundeswehrareals erreichen werden", so der Bürgermeister.

Dank gelte in diesem Zusammenhang Bataillonskommandeur Stefan Klos, Oberstleutnant Nunn und dem Leiter der Standortverwaltung, Hans-Gerd Schulz, die der kleinen Feierstunde ebenfalls beiwohnten. "Hoffen wir, dass dieser Ehrenhain uns immer an eine gute und friedliche Zukunft unserer Bundeswehr erinnern möge", schloss Bürgermeister Robert Herrmann.

Bürgermeister und Kommandeur enthüllten sodann die drei Gedenksteine, die fortan als Zeugnis, Erinnerung und Mahnung dienen mögen. Als Vertreter der Kameradschaft des Panzeraufklärungsbataillons 12 nahm Vorsitzender Joachim Aschmoneit und für die Kameradschaft ehemaliger Soldaten des Panzergrenadierbataillons 101/103 dessen Vorsitzender, Rainer Dehler, an der Enthüllung der Gedenksteine teil.

Besonderen Dank sagte Kommandeur Klos zwei Wehrpflichtigen, den Obergefreiten Ebert und Winter, die als Steinmetz und Zimmermann den Gedenkstein des Panzeraufklärungsbataillons 12 meißelten. "Diese Soldaten verkörpern den Wehrpflichtigen, wie man ihn sich wünscht", sagte der Kommandeur und überreichte ihnen eine Dankesurkunde. hw

 

Textfeld: Rührung und Respekt: Brigadegeneral Wolfgang Kopp, Bürgermeister Robert Herrmann und Oberstleutnant Stefan Klos (von links) 
verfolgten die Serenade mit ernsten Blicken, wurde dabei der endgültige Abschied doch richtig bewusst. 

ABSCHIED AUS DER GARNISONSSTADT

Der letzte Marsch ist verklungen

VON MICHAEL WILL
EBERN - "Da tut einem das Herz weh", kommentiert am spätenDonnerstagabend auf dem Marktplatz ein Eberner seine Eindrücke zum Abschied der Soldaten des Panzeraufklärungsbataillons 12 aus der Stadt. "Wenn man das so sieht, werden wieder alte Erinnerungen wach", sagt der Mann, der selbst einmal als Soldat in Ebern gedient hat.

Während die insgesamt sieben Lieder, die das Musikkorps in knapp 25 Minuten zum Besten gibt, langsam verklingen und die Fackeln in den Händen der Spalier stehenden Soldaten fast abgebrannt sind, beschleicht viele der rund 400 Zuhörer ein mulmiges Gefühl. Ihnen wird in diesen Minuten bewusst, dass mit dem letzten Takt, den das Heeresmusikkorps spielt, die Ära der Bundeswehr in der Stadt nach fast vier Jahrzehnten unwiederbringlich verklingt. Der "Torgauer Parademarsch" - der Marsch des Panzeraufklärungsbataillons 12 -, den die Frauen und Männer in Uniform unter Leitung von Oberstleutnant Bruckhaus intonieren, klingt in den Ohren der Zuhörer diesmal wie ein Begräbnislied. Und es scheint, als würden die Soldatinnen und Soldaten des Verbandes aus Ulm ihre Instrumente dabei mit besonderem Gefühl, aber auch voller Stolz spielen - im Mitgefühl für ihre Kameraden, die zum Teil nach jahrzehntelangem Dienst die Garnisonsstadt verlassen und an andere Standorte wechseln müssen und als Dank an die Bürgerinnen und Bürger Eberns und umliegender Gemeinden, die die Soldaten in all der Zeit in Ebern stets freundlich und herzlich aufgenommen haben. "Wir haben uns hier wirklich sehr wohl gefühlt", sagt ein Zeitsoldat, der das Geschehen am Rande verfolgt und demnächst in einer anderen Kaserne in Deutschland seinen Dienst versehen wird. "Wir waren immer ein Teil dieser Stadt, nie wurde man komisch angeschaut, wenn man mit Uniform in Ebern unterwegs war."

Mit starrem Blick verfolgen auch Bürgermeister Robert Herrmann, Oberstleutnant Stefan Klos und Brigadegeneral Wolfgang Kopp die letzte Serenade auf dem Marktplatz. Als Wertschätzung gegenüber den Soldaten hat Herrmann seine goldene Bürgermeisterkette umgelegt - so als wollte er ein letztes Mal die enge Verbundenheit der Stadt zum Panzeraufklärungsbataillon 12 zum Ausdruck bringen.

Mit dem "Frankenlied" schließlich beendet das Heeresmusikkorps 10 sein Platzkonzert. Manche Zuhörer rufen "Zugabe", andere verabschieden die Soldaten mit lang anhaltendem Applaus, als diese zu ihrem Bus marschieren.

Tore bald geschlossen
Schon bald werden in Ebern keine Soldaten in Uniform mehr zu sehen sein. In den nächsten Wochen ziehen sie endgültig aus dem Standort ab, am 30. September werden die Tore der Balthasar-Neumann-Kaserne für immer geschlossen.

Was bleibt sind Erinnerungen an eine "starke Truppe", die das Leben in der Stadt intensiv geprägt hat und die ihre Aufgaben stets mit großem Engagement ausführte. Das weiß auch Brigadegeneral Wolfgang Kopp, als er am Ende des Außerdienststellungsappells am Nachmittag in der Kaserne erst gegenüber Kommandeur Stefan Klos salutiert, ihm dann freundschaftlich auf die Schulter klopft und mit leiser Stimme seine tief empfundene Anerkennung und seinen Respekt in zwei knappen Worten ausspricht:"Gut gemacht!"

Erschienen am 24.04.2004 in "Neue Presse"

 

ABSCHIED VOM PANZERAUFKLÄRUNGSBATAILLON 12

Außerdienststellungsappell die letzte Etappe auf dem Weg zur Auflösung des Standortes Ebern

Zum letzten Mal sind am Donnerstagabend die Soldaten des Panzeraufklärungsbataillons 12 in Ebern zu einem Appell in der Kaserne angetreten. Das Bataillon wurde in einer feierlichen Zeremonie außer Dienst gestellt und aufgelöst. Die Balthasar-Neumann-Kaserne wird Ende September aufgrund von Strukturänderungen in der Bundeswehr geschlossen. - FOTO: MICHAEL WILL

EBERN - Das Panzeraufklärungsbataillon 12 in Ebern gehört seit Donnerstagabend der Geschichte an. Mit einem Außerdienststellungsappell in der Balthasar-Neumann-Kaserne geht die fast 40-jährige Ära zu Ende. Die Soldaten ziehen in den nächsten Wochen nach und nach aus Ebern ab, Ende September wird das Kasernentor für immer verschlossen.

Es war eine bedrückende Stimmung, die bei dem Abschiedsappell am späten Donnerstagnachmittag in der Kaserne vor allem bei den Gästen und Zuschauern zu spüren war, bedeutet die Auflösung des Panzeraufklärungsbataillons 12 doch auch das Aus für den Standort Ebern. Jahrelang gewachsene Kontakte zu den Soldaten und die Verbundenheit der örtlichen Bevölkerung mit der Truppe hören nun auf zu existieren.

Und in einem solchen Moment fällt es auch hochrangigen Offizieren nicht leicht, Worte des Abschieds zu finden. Aus den Worten von Brigadegeneral Wolfgang Kopp war auch ein wenig leise Kritik am Verteidigungsministerium zu hören, als er in seiner Rede auf dem Exerzierplatz die neuen Strukturen der Bundeswehr ansprach, wonach viele so genannte "schwere Truppenteile" aufgelöst wurden, zu denen auch das Panzeraufklärungsbataillon 12 in Ebern gehörte.

"Vielen mag das in einer Zeit, in der bei Einsätzen gerade der Aufklärung erhöhte Bedeutung zukommt, unverständlich sein", sagte Kopp. "Aber uns Soldaten ist es eigentümlich, dass wir vor einer Entscheidung unsere Stimme zur Geltung bringen, aber - wenn die Entscheidung dann einmal getroffen ist und steht - die Diskussion oder auch das Lamento nicht fortsetzen."

Der Verteidigungsminister habe dem Bataillon einen Weg von fast drei Jahren auferlegt zwischen der ersten Kenntnis und dem Vollzug der Außerdienststellung und der Auflösung, betonte der Brigadegeneral. "Aus welchen Gründen dies immer zustande gekommen sein mag, es ist für Führung aber vor allem für die Truppe eine ungewöhnliche Belastung, die man ihr zugemutet hat." Im Jahr 1966 seien erste Kompanien des Panzeraufklärungsbataillons in Dienst gestellt worden, heute zähle der Verband zu einer schon fast vergessenen Epoche der Streitkräfte.

Bis Ende der 80er-Jahre sei die Verteidigung der freien Welt identisch mit der Verteidigung des Landes und West-Berlins gewesen. Die Landesverteidigung, so Kopp, erforderte spätestens seit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes und der Sowjetunion eine neue Orientierung. "Dies hat seit 1990 zu immer schneller folgenden Strukturen geführt, deren Verfallszeiten immer kürzer wurden." Und so wird das Deutsche Heer nach Einschätzung des Brigadegenerals auch nicht lange in der Struktur bleiben, in die es jetzt geführt wird. "Diese ,Heer der Zukunft' genannte Struktur hat bereits keine Zukunft mehr, die deutlich über 2006 hinausreichen würde." Die danach fortlaufende Transformation solle die Streitkräfte befähigen, an der Seite seiner Verbündeten die Interessen der westlichen Wertegemeinschaft zu verteidigen, egal an welchem Ort dies gefordert werde.

Auch die finanziellen Rahmenbedingungen beschränken laut Kopp die Struktur der Streitkräfte. Das werde so lange der Fall sein, "wie sicherheitspolitische Konzepte für den Einsatz der Streitkräfte fehlen. Die dabei entstehenden Risiken sind offenkundig und berühren die Fähigkeit der Streitkräfte zur Auftragserfüllung".

Ziel der neuen Struktur sei also die Abbildung neuer Fähigkeiten und das Erreichen einer neuen Ausgewogenheit zwischen leichten und schweren Kräften. Sie solle das Heer dazu befähigen, auf alle denkbaren Krisenfälle besser zu reagieren. Zukünftig werde von jedem einzelnen Soldaten also die Bereitschaft für Einsätze wie auch die Bereitschaft zu mehr Flexibilität und Mobilität im Inland gefordert.

Den Soldaten des Panzeraufklärungsbataillons 12 gelte es für ihre gezeigten Leistungen, für treue Pflichterfüllung in zahlreichen Übungen und im Auslandseinsatz in der Stunde des Abschiedes zu danken. Der Brigadegeneral sprach seine Anerkennung für die gezeigten Leistungen aus. Dies gelte für die aktiven Soldaten, die Ehemaligen und die Reservisten und zahlreichen zivilen Mitarbeiter gleichermaßen. Wolfgang Kopp: "Das Panzeraufklärungsbataillon 12 wird außer Dienst gestellt, es gehört zur Geschichte unseres Heeres und wird dort und besonders bei den Panzeraufklärern den gebührenden Platz für fast 40 Jahre treue Pflichterfüllung erhalten."

Außer Dienst gestellt wurde bei dem Appell auch das Kraftfahrausbildungszentrum, das seit zehn Jahren besteht. In den letzten zehn Jahren, sagte Oberstleutnant Udo Fuchs, stellvertretender Kommandeur des Verteidigungskommandos 67 aus Bayreuth, seien hier 8000 Fahrschüler ausgebildet worden, 95 Fahrlehrer waren aktiv und besonders Kompaniechef Günther Lenhart habe den Geist des Ausbildungszentrum geprägt. Insgesamt seien vom Ausbildungszentrum sieben Millionen Kilometer gefahren worden - das entspricht einer Strecke von 175-mal um den Äquator oder neunmal der Strecke von der Erde zum Mond und zurück. Lediglich acht Unfälle seien dabei passiert. "Der Stolz auf das Erreichte sollte uns bei den neuen Aufgaben begleiten", sagte Fuchs. "Dieser Stolz wird uns die Zukunft auch weiter meister lassen." Michael Will

Erschienen am 23.04.2004 in "Neue Presse"

 

ABSCHIED VOM PANZERAUFKLÄRUNGSBATAILLON 12

Die Zukunft voller Stolz meistern

Zum letzten Mal sind am Donnerstagabend die Soldaten des Panzeraufklärungsbataillons 12 in Ebern zu einem Appell in der Kaserne angetreten. Das Bataillon wurde in einer feierlichen Zeremonie außer Dienst gestellt und aufgelöst. Die Balthasar-Neumann-Kaserne wird Ende September aufgrund von Strukturänderungen in der Bundeswehr geschlossen. - FOTO: MICHAEL WILL

EBERN - Das Panzeraufklärungsbataillon 12 in Ebern gehört seit Donnerstagabend der Geschichte an. Mit einem Außerdienststellungsappell in der Balthasar-Neumann-Kaserne geht die fast 40-jährige Ära zu Ende. Die Soldaten ziehen in den nächsten Wochen nach und nach aus Ebern ab, Ende September wird das Kasernentor für immer verschlossen.

Es war eine bedrückende Stimmung, die bei dem Abschiedsappell am späten Donnerstagnachmittag in der Kaserne vor allem bei den Gästen und Zuschauern zu spüren war, bedeutet die Auflösung des Panzeraufklärungsbataillons 12 doch auch das Aus für den Standort Ebern. Jahrelang gewachsene Kontakte zu den Soldaten und die Verbundenheit der örtlichen Bevölkerung mit der Truppe hören nun auf zu existieren.

Und in einem solchen Moment fällt es auch hochrangigen Offizieren nicht leicht, Worte des Abschieds zu finden. Aus den Worten von Brigadegeneral Wolfgang Kopp war auch ein wenig leise Kritik am Verteidigungsministerium zu hören, als er in seiner Rede auf dem Exerzierplatz die neuen Strukturen der Bundeswehr ansprach, wonach viele so genannte "schwere Truppenteile" aufgelöst wurden, zu denen auch das Panzeraufklärungsbataillon 12 in Ebern gehörte.

"Vielen mag das in einer Zeit, in der bei Einsätzen gerade der Aufklärung erhöhte Bedeutung zukommt, unverständlich sein", sagte Kopp. "Aber uns Soldaten ist es eigentümlich, dass wir vor einer Entscheidung unsere Stimme zur Geltung bringen, aber - wenn die Entscheidung dann einmal getroffen ist und steht - die Diskussion oder auch das Lamento nicht fortsetzen."

Der Verteidigungsminister habe dem Bataillon einen Weg von fast drei Jahren auferlegt zwischen der ersten Kenntnis und dem Vollzug der Außerdienststellung und der Auflösung, betonte der Brigadegeneral. "Aus welchen Gründen dies immer zustande gekommen sein mag, es ist für Führung aber vor allem für die Truppe eine ungewöhnliche Belastung, die man ihr zugemutet hat." Im Jahr 1966 seien erste Kompanien des Panzeraufklärungsbataillons in Dienst gestellt worden, heute zähle der Verband zu einer schon fast vergessenen Epoche der Streitkräfte.

Bis Ende der 80er-Jahre sei die Verteidigung der freien Welt identisch mit der Verteidigung des Landes und West-Berlins gewesen. Die Landesverteidigung, so Kopp, erforderte spätestens seit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes und der Sowjetunion eine neue Orientierung. "Dies hat seit 1990 zu immer schneller folgenden Strukturen geführt, deren Verfallszeiten immer kürzer wurden." Und so wird das Deutsche Heer nach Einschätzung des Brigadegenerals auch nicht lange in der Struktur bleiben, in die es jetzt geführt wird. "Diese ,Heer der Zukunft' genannte Struktur hat bereits keine Zukunft mehr, die deutlich über 2006 hinausreichen würde." Die danach fortlaufende Transformation solle die Streitkräfte befähigen, an der Seite seiner Verbündeten die Interessen der westlichen Wertegemeinschaft zu verteidigen, egal an welchem Ort dies gefordert werde.

Auch die finanziellen Rahmenbedingungen beschränken laut Kopp die Struktur der Streitkräfte. Das werde so lange der Fall sein, "wie sicherheitspolitische Konzepte für den Einsatz der Streitkräfte fehlen. Die dabei entstehenden Risiken sind offenkundig und berühren die Fähigkeit der Streitkräfte zur Auftragserfüllung".

Ziel der neuen Struktur sei also die Abbildung neuer Fähigkeiten und das Erreichen einer neuen Ausgewogenheit zwischen leichten und schweren Kräften. Sie solle das Heer dazu befähigen, auf alle denkbaren Krisenfälle besser zu reagieren. Zukünftig werde von jedem einzelnen Soldaten also die Bereitschaft für Einsätze wie auch die Bereitschaft zu mehr Flexibilität und Mobilität im Inland gefordert.

Den Soldaten des Panzeraufklärungsbataillons 12 gelte es für ihre gezeigten Leistungen, für treue Pflichterfüllung in zahlreichen Übungen und im Auslandseinsatz in der Stunde des Abschiedes zu danken. Der Brigadegeneral sprach seine Anerkennung für die gezeigten Leistungen aus. Dies gelte für die aktiven Soldaten, die Ehemaligen und die Reservisten und zahlreichen zivilen Mitarbeiter gleichermaßen. Wolfgang Kopp: "Das Panzeraufklärungsbataillon 12 wird außer Dienst gestellt, es gehört zur Geschichte unseres Heeres und wird dort und besonders bei den Panzeraufklärern den gebührenden Platz für fast 40 Jahre treue Pflichterfüllung erhalten."

Außer Dienst gestellt wurde bei dem Appell auch das Kraftfahrausbildungszentrum, das seit zehn Jahren besteht. In den letzten zehn Jahren, sagte Oberstleutnant Udo Fuchs, stellvertretender Kommandeur des Verteidigungskommandos 67 aus Bayreuth, seien hier 8000 Fahrschüler ausgebildet worden, 95 Fahrlehrer waren aktiv und besonders Kompaniechef Günther Lenhart habe den Geist des Ausbildungszentrum geprägt. Insgesamt seien vom Ausbildungszentrum sieben Millionen Kilometer gefahren worden - das entspricht einer Strecke von 175-mal um den Äquator oder neunmal der Strecke von der Erde zum Mond und zurück. Lediglich acht Unfälle seien dabei passiert. Michael Will

Erschienen am 24.04.2004 in "Neue Presse"

 

Bis zu 1300 Mann in der Garnison kommandiert

Rückblick mit Wehmut von Landrat und Bürgermeister bei Empfang nach Auflösung der Eberner Aufklärer

EBERN. Die Serenade war als musikalischer Dank der Soldaten an die Bevölkerung für die freundliche Aufnahme über Jahrzehnte hinweg gedacht: Und nochmals bekundeten auf dem Marktplatz viele Bürger der Stadt und der Umgebung die enge Verbundenheit, die mit der Auflösung des Panzeraufklärungsbataillons 12, endet. von Ralf Kestel

Der Abschied mit Abgesang stimmte traurig: Wie schon beim Appell in der Kaserne hatten auch bei der Serenade viele der älteren Zuhörer Tränen in den Augen. Obwohl weder die Redner noch das Heeresmusikkorps aus Ulm Klagelieder anstimmten, war von "Trauermärschen" die Rede. "Es ist eine Schande . . .", mochte sich eine Ebernin nicht mit der vor drei Jahren getroffenen Entscheidung abfinden. Eine Einschätzung, die viele Leute teilen.

Auch der Landrat nicht. Beim Empfang im Mannschaftsspeisesaal sagte Rudolf Handwerker, dass "der Abschied von der Bundeswehr schmerzt". Der Landrat: "Wir werden es erst in Jahren ermessen können, denn es gehen viele Arbeitsplätze verloren, die praktisch nicht zu ersetzen sind. Ebern und der Landkreis verlieren ein Stück ihres Charakters, die Bundeswehr hat Ebern in den vergangenen 40 Jahren nachhaltig geprägt."

Der Landrat bekundete noch immer Unverständnis über die Auflösungsentscheidung aus Berlin, denn: "Die Errichtung der Kaserne 1962 und der Einzug der Bundeswehr waren bis zur Auflösung, die uns unvorbereitet wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen hat, ein absolutes Erfolgsmodell."

Landrat Handwerker ging auf die Entwicklung der Garnison ein - zunächst mit Einzug der Panzergrenadiere, deren Bataillon 1992 aufgelöst wurde, und dann mit dem "Nachrücken" der Panzeraufklärer im Jahr 1969.

Kasernengebäude und Standort seien im Verlauf der Jahre ständig erweitert und nachgerüstet worden und "waren bis zuletzt modernst ausgestattet und in einem vorbildlichen Zustand".

In Stichworten nannte Handwerker das Wohnmodell 2000, die umweltfreundliche, moderne und zentrale Versorgungsanlage, Standortübungsplatz und -schießanlage.

Und weitere Vorzüge pries der Landrat: "Es wurde hervorragende militärische Arbeit geleistet. Das belegen die vielen Auszeichnungen , die Platzierungen in Vergleichswettkämpfen und die Tatsache, dass Soldaten des Standortes seit 1996 immer wieder in Kroatien und Bosnien im Auslandseinsatz waren. Diese erfolgreiche Entwicklung der Bundeswehr in Ebern macht uns den Abschied von ihr so besonders schwer."

Handwerker verwies auf die Besucherzahlen bei den Tagen der offenen Tür, die stets zwischen 15.000 und 20.000 Interessierte anlockten. "Ich könnte beliebig fortfahren. Seit 1962 haben sich Soldaten und zivile Mitarbeiter in das gesellschaftliche und kommunalpolitische Leben der Stadt und der umliegenden Gemeinden integriert und alle Bereiche des öffentlichen Lebens bereichert."

Des Landrats trauriges Fazit: "Ich kann nur das Bedauern der gesamten Bevölkerung über den Verlust zum Ausdruck bringen und den Dank an alle Soldaten übermitteln für ihre militärische Leistung, das bürgerschaftliche Engagement, die gute Zusammenarbeit und dafür, dass sie Ebern über den Kreis hinaus bekannt gemacht haben und ein Stück weite Welt in die Stadt brachten."

Bürgermeister Robert Herrmann, dem zuvor von Oberstleutnant Stefan Klos die Bataillons-Ehrennadel verliehen worden war, ging ebenfalls auf die historische Entwicklung ein und erinnerte an die Anfangstage: "Die Einrichtung einer ständigen Truppenunterkunft in unserer Kreisstadt Ebern ist ein Markstein in der Geschichte unserer Stadt". So lauteten die Worte von Bürgermeister Hans Merkl in der Sonderausgabe der Zeitschrift "Der Grenzwald", die von der 4. Panzergrenadierdivision im Oktober 1963 herausgegeben worden sei.

Er habe weiter geschrieben: "Im Namen der Stadt Ebern heiße ich Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des Panzergrenadierbataillons 101 anlässlich ihres offiziellen Einmarsches in die neue Garnison herzlich willkommen. Der gleiche Willkommensgruß gilt auch der Leitung und dem Personal der Standortverwaltung. Auch den Familien der Bundeswehrangehörigen entbiete ich diesen Gruß."

Dieser herzlichen Begrüßung der Soldaten, so Herrmann, folgten 41 Jahre, einvernehmlich gelebter Partnerschaft. Nie sei dieses Einvernehmen zwischen Stadt und Garnison von irgend einer Seite negativ belastet worden.

Menschen, die dienstlich mit der Bundeswehr nach Ebern kamen, seien gerne aufgenommen worden. "Manche blieben einige Jahre, andere ließen sich in Ebern mit ihren Familien nieder und bereicherten damit unser Gemeinwesen."

Das Panzergrenadierbataillon 101 wurde 1970 in das Jägerbataillon 101 umbenannt, in dem er, Herrmann, 1972 Grundwehrdienst leistete. 1971 folgte zusätzlich das Panzeraufklärungsbataillon 12.

Um das Jahre 1984 erreichte die Garnison mit etwa 1300 Mann ihre größte Stärke.

Der langen Reihe der Kommandeure, die mit OTL Werner Blaschke begann und nun mit OTL Stefan Klos ende, standen in dieser Zeit die Bürgermeister Hans Merkl, der Initiator zum Bau der Kaserne, Franz Hübl, Rolf Feulner, der 1996 zum Ehrenaufklärer ernannt wurde, und er, Herrmann, gegenüber.

Ebern hätte gerne weiterhin seinen Soldaten angemessene Unterkunft und einvernehmliche Partnerschaft geboten. Dies sei aus übergeordneten politischen Gründen nicht möglich, bedauerte Herrmann.

"41 Jahre war der Name Eberns für viele junge Wehrpflichtige, für Berufs- und Zeitsoldaten ein Teil ihrer Biographie. Der Name unserer Stadt wurde durch die Soldaten in ganz Deutschland verbreitet. Nach dem Fall der Mauer war unsere Garnison für Soldaten aus den neuen Ländern oft erster Anlaufpunkt zu einem längeren Aufenthalt in den alten Ländern."

Für die Stadt hoffte Herrmann, dass es gemeinsam mit dem Grundeigentümer und allen interessierten Kräften gelinge, eine sinnvolle Nachnutzung für das gesamte Kasernengelände zu finden.

Oberstleutnant Stefan Klos wagte auch einen Ausblick: "Das Panzeraufklärungsbataillon 12 bewahrt sein goldgelbes Erbe in der Garnisonsstadt Ebern und pflegt die Kameradschaft über das Auflösungsdatum hinaus in der "12er Kameradschaft."

Das Panzeraufklärungsbataillon 12 verabschiede sich zum 30. September stolz, aufrecht und trotz des traurigen Anlasses mit Haltung aus der Öffentlichkeit, seiner nationalen und internationalen Paten- und Partnerschaften und aus der Familie der Panzeraufklärungstruppe.

Zu Gast waren bei den "Feierlichkeiten" zur Auflösung neben vielen Ehemaligen auch vier einstige Kommandeure des Panzeraufklärungsbataillons: So die Oberstleutnante von Gersdorff, Demandt, Ostermeyer und von Schönberg. Der Empfang wurde musikalisch umrahmt vom Blasorchester.

Erschienen am 24.04.2004 in "Fränkischer Tag"

 

Ende einer Ära wurde besiegelt

Mit Bataillonsauflösung gestern Abend letztes Bundeswehr-Kapitel in Ebern geschrieben

EBERN. Freudenfeiern sehen anders aus: Mehr als Wehmut lag über der Szenerie, als am gestrigen Donnerstagabend Oberstleutnant Stefan Klos meldete: "Die Masse der Arbeit ist getan." Die Mannen des Panzeraufklärungsbataillons haben ihre Aufgaben erledigt, sie können gehen . . . - nach 38 Jahren wurde das Panzeraufklärungsbataillon von Brigadegeneral Wolfgang Kopp aufgelöst. von Ralf Kestel

Auch das Ende des Kraftfahrausbildungszentrums wurde gestern besiegelt. Noch bis Ende September bleibt eine Handvoll Soldaten in der Kaserne, um das restliche Material abzusteuern, danach endet die Bundeswehr-Ära in Ebern, die mit dem Einzug des Jägerbataillons 101 rund 42 Jahre währte, für immerdar.

Die Veranstaltung gestern wäre aus eigener Kraft gar nicht mehr zu organisieren gewesen. Oberstleutnant Klos dankte daher den Unterstützungskräften aus Gotha, Sontra, Freyung und Mellrichstadt.

"Wir wissen seit Jahren, wie stark die Verbundenheit der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Bundeswehr in dieser Region ist. Die Resonanz auf diese letzte Veranstaltung des Bataillons war trotz des kurzfristig eingeschobenen neuen Termins toll und beeindruckend", schwärmte der Kommandeur . "Wir danken für 38 Jahre perfekte Aufnahme und Geborgenheit in Ebern und der Region später mit der Serenade."

Das Bataillon habe ein Ziel vor Augen, das niemand der Anwesenden erreichen wollte. "Die übliche Freude über ein erreichtes Ziel stellt sich deshalb auch nicht ein. Ganz im Gegenteil, es tut weh zu sehen, dass es ernst wird. Wir sind ein Teil der Umgestaltung der Bundeswehr, viele Eberner nennen es auch ein Opfer der erneuten Umgestaltung."

Der Kommandeur resümierte: "Wir hatten die Herausforderungen der letzten zwölf Monate, der Auflösung eines Verbandes und der Schließung eines ganzen Standortes zu bewerkstelligen und zu bestehen. Ein hartes Stück Arbeit, vielleicht das schwerste Stück was man sich als Verband vorstellen kann, liegt größtenteils hinter uns. Mit großer Genugtuung und Befriedigung stelle ich als Kommandeur fest, dass die Masse der Arbeit getan ist; die Masse der Herausforderungen sind bewältigt oder so auf den Weg gegeben, dass in wenigen Wochen, spätestens jedoch zum 30. September eine Lösung herbeigeführt sein wird." Danach werde es die Bundeswehr in der Region nicht mehr geben.

Knapp, emotionslos und unpersönlich betrachtete Brigadegeneral Wolfgang Kopp das Aus. Er erinnerte an die Entscheidung des Dienstherrn vor fast drei Jahren und an die Zeit bis zum heutigen Tag: dem des Vollzuges. "Aus welchen Gründen dies immer zustande gekommen sein mag, es ist für Führung, aber vor allem für die Truppe eine ungewöhnliche Belastung, die man ihr zugemutet hat. Mit langer Tradition war das Bataillon ein Verband, zwar nicht aus den allerersten Stunden unserer Armee, aber mit Aufstellung erster Kompanien im Jahre 1966 und der endgültigen Aufstellung im Jahre 1971 in Wildflecken ein Verband aus einer heute fast schon vergessenen Epoche unserer Streitkräfte."

Erschienen am 23.04.2004 in "Fränkischer Tag"

 

PANZERAUFKLÄRUNGSBATAILLON 12

"Ein ganz mieser Tag für Ebern und den Landkreis"
EBERN - "Wir gehen stolz und aufrecht", sagte Oberstleutnant Stefan Klos zu den geladenen Gästen, die sich im Anschluss an den Außerdienststellungsappell des Panzeraufklärungsbataillons 12 am Donnerstagabend im Mannschaftsspeisesaal des Balthasar-Neumann-Kaserne einfanden.

Eine der letzten Amtshandlungen des Bataillonskommandeurs war, sich bei vielen Weggefährten des Bataillons zu bedanken. 1. Bürgermeister Robert Herrmann bedauerte, dass nun das Ende "der 41-jährigen Phase eines Stücks Eberner Geschichte" gekommen sei. "Die Einrichtung einer ständigen Truppenunterkunft in unserer Kreisstadt Ebern ist ein Markstein in der Geschichte unserer Stadt", habe der damalige Bürgermeister Hans Merkl im Oktober 1963 geschrieben, als das Panzergrenadierbataillon 101 seinen Einzug in die Stadt gehalten habe.

Gefolgt seien, so Herrmann, "41 Jahre in einvernehmlicher Partnerschaft, die von keiner Seite in Frage gestellt oder belastet wurde". Menschen, die mit der Bundeswehr nach Ebern gekommen seien, wären in der Stadt gerne aufgenommen worden. Manche von ihnen hätten sich hier niedergelassen "und befruchteten das Gemeinwesen".

1971 sei das Panzeraufklärungsbataillon 12 nach Ebern gekommen und 1984 das Jahr mit der höchsten Anzahl von Soldaten, nämlich rund 1300, in der Balthasar-Neumann-Kaserne gewesen. "Ebern hätte gerne weiterhin seinen Soldaten eine angemessene Unterkunft und einvernehmliche Partnerschaft geboten", versicherte Bürgermeister Herrmann, "dies ist aber leider aus übergeordneten politischen Gründen nicht möglich." Deshalb bleibe nur noch Dank zu sagen all denen, die durch die Bundeswehr mit Ebern verbunden seien. "41 Jahre lang war Ebern für viele junge Wehrpflichtige, Zeit- und Berufssoldaten ein Teil ihrer Biographie", sagte er und betonte weiter, dass der Name der Stadt durch die Soldaten in ganz Deutschland verbreitet worden sei.

Bürgermeister Robert Herrmann hoffte abschließend, "dass unsere Bundeswehr auch künftig in einer veränderten Welt mit einer neuen Struktur und Aufgabenprofil" ihre Aufgabe erfüllen könne. Für die Stadt Ebern wünschte er, dass es gelinge, "eine sinnvolle Nachnutzung" der Kasernenanlage zu finden.

Abschied schmerzt

"Heute ist ein ganz mieser Tag für Ebern und für den Landkreis Haßberge, der Abschied von der Bundeswehr in Ebern schmerzt", sagte Landrat Rudolf Handwerker zu Beginn seines Grußwortes. Viele, nicht zu ersetzende Arbeitsplätze gingen verloren und außerdem verliere diese Region "ein Stück ihres Charakters", sei sie doch in den vergangenen 40 Jahren von der Bundeswehr nachhaltig geprägt worden.

"Dabei war die Errichtung dieser Kaserne 1962 und der Einzug der Bundeswehr in Ebern bis zu ihrer Auflösung, die uns unvorbereitet wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen hat, ein absolutes Erfolgsmodell", stellte Handwerker fest. Kasernengebäude und der Standort seien ständig nachgerüstet und modernst ausgestattet worden. Alle Einrichtungen hätten sich auf dem neuesten technischen Stand befunden. Bis zum Schluss sei in dieser Kaserne "eine hervorragende militärische Arbeit" geleistet worden. Dies würden die vielen Auszeichnungen, die hervorragenden Platzierungen bei Vergleichskämpfen belegen und nicht zuletzt auch die Tatsache, dass die Soldaten des Standortes seit 1966 immer wieder in Kroatien und Bosnien im Auslandseinsatz gewesen seien.

"Diese erfolgreiche Entwicklung des Bundeswehr in Ebern und ihre Einbindung in die Stadt und den gesamten Landkreis macht uns den Abschied von ihr so besonders schwer", betonte der Landrat und erinnerte auch an die verschiedenen Patenschaften der Kompanien des Panzeraufklärungsbataillons 12, der Panzeraufklärungskompanie 120 und des Kraftfahrausbildungszentrums. Er selbst, so Handwerker, habe als Bürgermeister von Haßfurt eine Patenschaft mit der Nachschubausbildungskompanie begründet, "eine äußerst lebendige Patenschaft, an der die Bevölkerung regen Anteil nahm".

Die "Tage der offenen Tür" waren Volksfeste

Im Landkreis seien jährlich sechs öffentliche Gelöbnisse abgehalten worden und die"Tage der offenen Tür" in der Kaserne hätten sich mit Besucherzahlen von 15 000 bis 20 000 regelmäßig als Besuchermagnete erwiesen, "das waren Volksfeste".

Landrat Handwerker stellte fest, dass seit 1962 die Soldaten und zivilen Mitarbeiter alle Bereich des gesellschaftlichen Lebens bereichert hätten. Wie die Bevölkerung zum Standort Ebern und seinen Soldaten gestanden habe, hätte ganz eindrucksvoll die Demonstration für den Standort im Januar 2001 gezeigt, an der bei klirrender Kälte über 2000 Menschen teilnahmen.

"Mir bleibt nur, den Soldaten für die geleisteten vielfältigen Dienste zu danken und das Bedauern des gesamten Landkreises über den Verlust unseres Bundeswehrstandortes zum Ausdruck zu bringen", sagte Handwerker. Er dankte allen Soldaten für ihre militärischen Leistungen - insbesondere bei den Auslandseinsätzen - und für das gesellschaftliche und bürgerschaftliche Engagement, das das Leben im Landkreis spürbar bereichert habe. "Durch die Bundeswehr ist ein Stück weite Welt nach Ebern gekommen."

Musikalisch ausgestaltet wurde der Empfang durch das Blasorchester Ebern unter Leitung von Werner Höhn. ky

Mit der Ehrennadel des Panzeraufklärungsbataillons 12 wurde 1. Bürgermeister Robert Herrmann durch Oberstleutnant Stefan Klos geehrt. Das Bataillonswappen überreichte er an den katholischen Standortpfarrer Wolfgang Bier, Brigadegeneral Wolfgang Kopp, Captain Piazza und Landrat Rudolf Handwerker. FOTO: KLAUS YERSIN

Erschienen am 24.04.2004 in "Neue Presse"

 

OPFER DER UMGESTALTUNG

Bataillon zu Grabe getragen
Sprichwörtlich mit einem Kloß im Hals hat Oberstleutnant Stefan Klos am Donnerstag das Panzeraufklärungsbataillon 12 außer Dienst gestellt. "Ich bin ehrlich, ein mulmiges Gefühl", sagte der Kommandeur beim Appell in der Kaserne. Das Bataillon verabschiede sich zum endgültigen Ende im September mit Stolz, aufrecht und trotz des traurigen Anlasses, mit Haltung aus der Öffentlichkeit.

EBERN - Bereits für den 18. März war der Außerdienststellungsappell geplant, musste wegen der zu dieser Zeit aufkommenden Bindehautentzündung bei den Soldaten aber abgesagt werden. Nunmehr, machte Kommandeur Klos deutlich, sei das Bataillon durch erste Auflösungserscheinungen personell schon deutlich geschwächt. Der Appell und die Serenade hätten am Donnerstagabend nur durch die Mithilfe anderer Einheiten durchgeführt werden können. So sei auch der geplante Große Zapfenstreich, den sich die Stadt Ebern und die Bevölkerung redlich verdient gehabt hätten, nicht mehr realisierbar gewesen. Dafür aber verabschiedeten sich die Soldaten von der Stadt mit einer Serenade am Abend auf dem Marktplatz (Bericht dazu in der Samstag-Ausgabe).

"Wir haben ein Ziel vor Augen, das niemand der hier Anwesenden erreichen wollte", sagte Stefan Klos vor zahlreichen Ehrengästen. Es tue weh zu sehen, dass es ernst wird und nach den Herausforderungen der letzten zwölf Monate zur Auflösung des Verbandes nun der Zeitpunkt des Abschieds näher rücke. "Wir sind ein Teil der Umgestaltung der Bundeswehr, viele Eberner nennen es auch ein Opfer der erneuten Umgestaltung", kommentierte der Oberstleutnant die neue Bundeswehrstruktur.

Erfreulich sei hingegen, dass bis auf sechs Soldaten der Garnison eine Folgeplanung für jedenen einzelnen vorliegt, bis auf wenige Ausnahmen konnten dabei auch Wunschverwendungen ermöglicht werden. Die Situation der zivilen Mitarbeiter sehe anders aus, hier verlange die Strukturschwäche der Region ihren Tribut.

"Heute beenden wir vor den Augen der Öffentlichkeit die Ära des Panzeraufklärungsbataillons 12", sagte Klos. "Wir bedanken uns mit einer letzten Serenade auf dem Marktplatz bei der Stadt und ihren Bürgern für 38 Jahre perfekte Zusammenarbeit und Geborgenheit." Nach dem 30. September 2004 werde es die Bundeswehr in dieser Region nicht mehr geben. "Dies ist zwar traurig, aber gerade deshalb müssen wir nun alle Kraft zusammen nehmen, um diesem Ende aufrecht und mit dem vorbildlichen Geist, der uns Panzeraufklärer immer ausgezeichnet hat, entgegen zu gehen."

Der Oberstleutnant ging in seiner Ansprache auch auf viele Stationen des Bataillons in der fast 40-jährigen Geschichte ein - auf Umgliederungen und Umzüge ebenso wie auf die technische Ausrüstung. Immer wieder hätten die Soldaten ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt - unter anderem beim Einsatz auf dem Balkan und in Afghanistan.

Die Garnison Ebern habe auch dafür gestanden, dass fast 80 Prozent der Wehrpflichtigen aus der Region heimatnah nach Ebern eingezogen werden konnten. Das Panzeraufklärungsbataillon sei zu einem integralen Bestandteil im Stadtbild Ebern geworden. Es habe über 38 Jahre seinen Beitrag zur Erhaltung des Friedens und zur Sicherung des Vaterlandes geleistet. Klos, 14. Kommandeur des Bataillons, fiel die Auflösung deshalb sichtlich schwer: "Ich habe einen Kloß im Hals."

In den letzten Monaten sei die Personaldecke immer dünner geworden. Gerade deshalb sei es erfreulich, dass alle Soldaten engagiert und hoch motiviert zur Sache gingen und bis heute gehen, sagte der Kommandeur. Kurz nach seinem Dienstantritt als Kommandeur in Ebern habe er von einem Offizier diesen Satz gehört: "Das Bataillon besitzt einen glänzenden Ruf - den werden wir bis zum Ende verteidigen." Dem sei nichts hinzuzufügen.

Den Soldaten, Ehemaligen und zivilen Mitarbeiter bescheinigte Klos, sich stets wacker geschlagen und einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen zu haben: "Sie haben ihre Sache gut gemacht!" Ohne Übertreibung könne er feststellen, "dass wir uns in Ebern ausgesprochen wohl gefühlt haben". Die Stadt und umliegende Gemeinden hätten den Soldaten seit 1963 das Gefühl vermittelt, fest integriert und willkommen zu sein, nie habe man ein Insel-Dasein geführt. "Wir sind ein Teil von Ebern", betonte der Kommandeur.

Sein besonderer Dank galt Bürgermeister Robert Herrmann für die besondere Verbundenheit und für ausgezeichnete Zusammenarbeit. Die Geschichte des Panzeraufklärungsbataillons sei eine Erfolgsgeschichte, einer einvernehmlich gelebten Partnerschaft zwischen Stadt, Region und Garnison. Auch den Bürgermeistern umliegender Städte, mit denen Patenschaften gepflegt wurden, dankte Klos ausdrücklich. Die Kompaniechefs überreichten schließlich den Bürgermeistern Norbert Tessmer (Coburg), Heinz Petterich (Burgkunstadt), Erwin Pfeil (Königsberg) und Bernhard Ruß (Sand) Wimpel ihrer Kompanien.

"Das Panzeraufklärungsbataillon 12 bewahrt sein goldgelbes Erbe in der Garnisonsstadt Ebern und pflegt die Kameradschaft über das Auflösungsdatum hinaus in der ,12er-Kameradschaft'", sagte Kommandeur Klos zum Abschied. Mit dem Lied vom guten Kameraden wurde schließlich Verstorbenen gedacht. Mic

Erschienen am 23.04.2004 in "Neue Presse"

 

Selbst Fackelzüge und Unterschriftenlisten haben nichts genützt: Der bayerische Standort Ebern wird geschlossen

 

"Wir wissen nicht, warum wir durchs Raster gefallen sind."

"Wir wissen nicht, warum wir durchs Raster gefallen sind." Eberns Bürgermeister Robert Herrmann versteht die Welt und Verteidigungsminister Rudolf Scharping nicht mehr. Der CSU-Kommunalpolitiker weiß eines jedoch ganz genau: Am 29. Januar 2001 wurde ein schwarzes Kapitel in der Geschichte der unterfränkischen Garnisonstadt (7.500 Einwohner) geschrieben. Während sich in Ebern Zorn und Entsetzen breit machen, knallen im Niederbayerischen die Sektkorken. Freyung, Stationierungsort des Gebirgs-Panzeraufklärungsbataillons 8, darf weiter existieren. "Warum Scharping so und nicht anders entschieden hat, ist nicht nachvollziehbar und wird wohl immer sein Geheimnis bleiben", resümiert Robert Herrmann. Aber auch auf die Repräsentanten seiner eigenen Partei ist das Stadtoberhaupt nicht gut zu sprechen.

1962 eroberte die Bundeswehr die Herzen der Eberner im Sturm, als die neu gebaute Balthasar-Neumann-Kaserne bezogen wurde. Zu Spitzenzeiten dienten dort mehr als 1.200 Soldaten in zwei Bataillonen. Arbeitsplätze entstanden. Die Bundeswehr avancierte zum wichtigen Wirtschaftsfaktor in einer strukturschwachen und finanziell nicht auf Rosen gebetteten Region, die im damaligen Zonenrandgebiet eher ein Mauerblümchendasein fristete.

Knapp 38 Jahre später kommt für Ebern das "Aus". Im Zuge der Strukturreform und Verkleinerung der Bundeswehr soll der Standort geschlossen werden - sehr zum Leidwesen der Bevölkerung und vor allem der Soldaten, die sich in der idyllischen Kleinstadt zwischen Bamberg und Coburg sehr wohl fühlen. Die Akzeptanz der Männer im Flecktarn ist groß. Bundes-, Landes-, Kommunalpolitiker aller Couleur und Bürger zeigen sich gern im Kreis der Soldaten. Man steht - anders als in manchen anderen Standorten - auch in schlechten Zeiten ohne Wenn und Aber zur Bundeswehr.

Umso größer der Schock, als Anfang Dezember 2000 inoffiziell publik wird, dass der Standort Ebern geschlossen werden soll. Die vorweihnachtliche Freude ist dahin. Teilweise erfahren es die unmittelbar Betroffenen, also die Soldaten, im Einsatzland fern der Heimat. Die Dementis von Scharping und die seines unterfränkischen Staatssekretärs Walter Kolbow folgen auf dem Fuß, doch bei Bürgermeister, Stadtrat, Soldaten und Bevölkerung schrillen die Alarmsirenen. Und weil an jedem Gerücht erfahrungsgemäß etwas dran ist, kommt eine "Mobilmachungsmaschinerie" durch Politik, Bürger, Einzelhandel, Vereine, lokale Tageszeitungen sowie Reservisten- und Soldatenkameradschaften ins Rollen. Doch damit nicht genug. Wie stark die Öffentlichkeit hinter der Bundeswehr steht, zeigt sich bei einem Fackelzug. Tausende ziehen bei klirrender Kälte im Windschatten der lokalen Politprominenz vom Marktplatz zur Kaserne. Die Parolen auf den Transparenten und die Reden haben den gleichen Inhalt: "Hände weg vom Standort" oder "Ebern darf nicht sterben."

Gegenüber dem Verteidigungsminister gehen Stadt und Landkreis in die Offensive. Man fühlt sich durch anders lautende Äußerungen des Ministers in der Vergangenheit getäuscht. In wenigen Tagen werden Tausende von Unterschriften für den Standorterhalt gesammelt. Schützenhilfe gibt"s aus dem 30 Kilometer entfernten oberfränkischen Coburg. Dort wird ebenfalls gegen die Pläne der Hardthöhe Front gemacht. Die SPD-Politiker Landrat Karl Zeitler und Oberbürgermeister Norbert Kastner konnten und wollten nicht glauben, dass ein sozialdemokratischer Minister ernsthaft das "Aus" für Ebern in Erwägung zieht. Gerade die Stadt Coburg, die seit mehr als zehn Jahren eine lebendige Patenschaft mit der 1. Kompanie des Panzeraufklärungsbataillon 12 pflegt, hat am eigenen Leib gespürt, wie negativ sich eine Standortschließung auswirkt. 1.200 BGS-Beamte und deren Familien mussten 1999 ihre Koffer packen. Jahrelang hatte man um den BGS gekämpft - und verloren.

Zurück nach Ebern. Alle energischen Proteste und Aktionen verlaufen im Sand. Schon drei Tage vor der offiziellen Bekanntgabe durch den Verteidigungsminister melden die Agenturen am 26. Januar die beabsichtigten Standortschließungen. Ebern ist dabei. "Ich konnte und kann es nicht glauben." Resignation ist in der Stimme von Bürgermeister Robert Herrmann zu spüren. Er spricht von einer Fehlentscheidung, die weitreichende Folgen für die Stadt und das Umland hat: "Die Bundeswehr ist als Arbeitgeber, für uns als Stadt und den Einzelhandel äußerst wichtig." Auf knapp 40 Millionen Mark jährlich schätzt Herrmann den Kaufkraftverlust, wenn der Letzte in der Balthasar-Neumann-Kaserne das Licht ausgeknipst. Für das beschauliche Kleinod kein Pappenstil.

Doch nicht nur Rudolf Scharping gerät ins Kreuzfeuer der Kritik. Hilfe erhoffen sich die Stadtväter vom bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und der CSU. Robert Herrmann und Landrat Rudolf Handwerker bekommen zwar in München bei Staatskanzleichef Erwin Huber eine Audienz, treten aber eher frustriert den Heimweg an. Die Sache sei ausschließlich eine Angelegenheit des Verteidigungsministers, lässt Huber - übrigens Freyunger Ehrenaufklärer - seine Gesprächspartner wissen.

Dann macht das Zauberwort vom "Mikrovergleich" Freyung: Ebern die Runde. Mit eilig erstellten Wirtschafts- und Strukturdaten unternimmt Ebern einen letzten Versuch, die Planer auf der Hardthöhe umzustimmen, da laut Heeresinspekteur Helmut Willmann militärische Gründe nicht den Ausschlag für Freyung gegeben haben. Aber auch der letzte Akt bleibt ohne Erfolg. In Ebern stellt man sich darauf ein, dass das Kapitel Bundeswehr irgendwann zwischen 2002 und 2004 der Vergangenheit angehört. So viel zu den Begleitumständen.

Und wie reagieren nach all dem Hoffen und Bangen die eigentlich Betroffenen auf die Entscheidung? "Das ist ein Schlag mitten ins Gesicht. Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt." Hans-Karl Schleicher, Personalrats-Vorsitzender der Standortverwaltung, macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Für 200 Mitarbeiter hat die Schließung gravierende Folgen. "Besonders schlimm ist das für die Gruppe der Arbeiter", sagt Schleicher. Zwar habe der Minister versprochen, keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen. Die Gretchenfrage nicht nur für Schleicher: Wo sollen die Mitarbeiter demnächst arbeiten? Die nächsten Standortverwaltungen (Bayreuth, Wildflecken, Volkach, Hammelburg) sind mindestens 80 Kilometer entfernt. Ein Wechsel auf den freien Arbeitsmarkt kommt nach Einschätzung des Personalratsvorsitzenden nur in ganz wenig Fällen in Betracht. Auf Grund des hohen Durchschnittsalters der Beschäftigten von 42 Jahren fällt seine Prognose düster aus: "Damit hat man in der heutigen Zeit auf dem freien Arbeitsmarkt keine Chancen."

Warum ausgerechnet Ebern? Diese Frage beschäftigt permanent den Standortältesten und Kommandeur des Panzeraufklärungsbataillons 12, Oberstleutnant Uwe Nerger. Nachvollziehen kann der ranghöchste Soldat in der Balthasar-Neumann-Kaserne, dass die Bundeswehr in der neuen Struktur bei fünf mechanisierten Divisionen die Zahl der Aufklärungsbataillone von sieben auf fünf reduzieren muss. "Doch dann reißt für mich der Faden, weil mir zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht klar ist, ob es politische oder militärische Gesichtspunkte waren, die nach der Standortprüfung gegen Ebern sprechen." Nerger verweist auf die intakte Infrastruktur. Zweistellige Millionensummen seien in den vergangenen 15 Jahren in den Standort geflossen. Im Gegensatz zu anderen Standorten müsse in diese Kasernenanlage nicht investiert werden, um künftigen Anforderungen an die Stationierung eines Verbandes Rechnung zu tragen. "Es muss doch in Erfahrung zu bringen sein, warum es uns getroffen hat. Diese Information bin ich als Kommandeur meinen Soldaten schuldig." Eben diese Antworten erwarten aber die rund 720 Soldaten von ihrem Kommandeur, dessen Dienstzeit Ende Juni ablaufen wird. "Es ist nicht schön, auf berechtigte Fragen der Untergebenen nicht eingehen zu können." An der Leistung seiner Leute könne es nicht gelegen haben. Die Eberner Soldaten seien motiviert, gut ausgebildet und bei Lehrgängen immer bei den Besten dabei.

"Mein Mann und ich waren geschockt. Das hat mich tief getroffen." So beschreibt die 27-jährige Anita Bögendörfer ihre erste Reaktion. Erst seit fünf Monaten ist die Regierungsinspektorin z. A. aus dem wenige Kilometer entfernten Untermerzbach Leiterin der Truppenverwaltung. "Da ist man froh, nach jahrelangem Pendeln endlich festen Boden unter den Füßen und eine heimatnahe Stelle zu haben, dann so was", sagt sie mit nachdenklicher Stimme. Sorgen um einen Arbeitsplatz muss sich die Beamtin keine machen, doch lassen "mich die vielen Einzelschicksale nicht kalt". Damit meint sie auch die zahlreichen Zeit- und Berufssoldaten, die in der Region Häuser gebaut und deren Frauen Arbeit gefunden haben. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als über kurz oder lang die Koffer packen zu müssen.

Die Stimmungslage seiner Kameraden und ihrer Familien bringt Hauptfeldwebel Karlheinz Buld (47) auf den Punkt: "Ebern ist ein Teil meines Lebens, den ich aufgeben muss." Ein Umzug kommt für ihn nicht in Frage - unter anderem auch deshalb, weil er sich - wie viele seiner Kameraden - in Vereinen ehrenamtlich engagiert. "In Deutschland wird Politik zu viel nach dem Geldbeutel gemacht", gibt sich der Hauptfeldwebel moderat. Mit ihrer Entscheidung habe die Bundeswehrführung in Ebern die starke Verwurzelung der Bundeswehr in der Öffentlichkeit zerstört. Bislang gehörte es zum guten Ton, dass nach Appellen immer das "Frankenlied" gespielt wurde. Wenn irgendwann zum Halali geblasen wird, dürfte wohl "Muss i denn zum Städele hinaus" die musikalische Abschlussnote setzen.

Quelle: y. Magazin der Bundeswehr 5/2001